Ausschnitte aus

WAS FÜR EIN TAG - am Ende nur Nacht

Von Golf Retko

Personen: Martin und Nina

Resident am theaterSCHLACHTHOF

seit Oktober 2017 

Martin:

Das alles anders sein könnte, als es ist, dass mehr Nähe mehr Vertrauen und mehr Gemeinsamkeit uns stärker machen könnte. Dass es sich lohnt zuzuhören, dass es sich lohnt sich Zeit zu nehmen, dass es ein Geschenk ist das wir uns haben und das wir kraft aus dem Miteinander schöpfen könnten. Das wir die Grenzen die inneren so selten überwinden und das, wenn wir es tun uns Welten erwarten, mit denen wir nicht rechnen, das es sich lohnt sich bewegen zu lassen, das Berührung nachdenken ermöglicht, das wir mit einer tiefen Unsicherheit zu tun haben, das wir die komplexen Zusammenhänge in denen wir leben nicht mehr greifen können, das wir häufig alleine sind mit unseren Fragen, unseren Ängsten, unseren Erwartungen, dass das sich bewegen durch eine Wirklichkeit voll von diffusen Irrlichtern, Medien gemachten Realitäten und keinerlei Orientierungspunkten uns ganz einnimmt uns ganz mitnimmt uns ganz außerhalb des inneren lässt. Dass es ein leichtes ist so zu tun als ob es nicht so wäre, dass wir alle große Schauspieler sind auf unserer eigenen Bühne, das nur wir uns für unser Drama interessieren, das wir in kurzen Momenten innehalten, bemerken was mit uns geschieht. Dass das Herz klopft, wenn man diese Möglichkeit zulässt, dass es Spaß macht weiter zu gehen, das anders denken zu wagen, Bewegung zuzulassen, Stillstand auszuhalten, doppelt denken, dreifach, vierfach. Fühlen. Sich auf den Weg machen, immer wieder zusammensitzen und sprechen, teilen, erleben, theatermachen das wirklicher ist als diese Wirklichkeit das wünsche ich dir in diesem neuen Jahr.

Nina:

Kannst du dich erinnern? Oder besser hast du auch noch diesen Geschmack auf der Zunge? Dieses eisenhaltige Wasser, dieser Geruch nach Diesel. Wie geht es dir nach all den Tagen?

Martin:

Wie es mir geht? Ist das dein ernst? Du fragst und ich sage dir, ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Ich denke mir geht es ganz gut und dann denke ich noch das mir das alles schon lange gegen den Strich geht. Da ist kein Weg raus. Stillstand, das ganze so tun als ob, das voreinander bleiben, die Feigheit und das Klappe halten. Wenn ich mir anschaue was passiert dann weiß ich das wir ganz weit entfernt sind von dem was gut sein könnte für uns beide. Für Menschen, Tiere, Natur, für Gemeinschaft, für ein Füreinander und das ganze Zeug nach dem du diese Verfluchte Sehnsucht hast. Denke ich zumindest und bin mir da schon wieder unsicher. Das kann schon sein das auch dieses sich Gedanken machen irgendeinen Wert an sich hat aber wer weiß das schon.

Er trinkt einen schluck seines Kalten Kaffees und lächelt dieses schräge lächeln das man auch aus Filmen kennen kann. Er holt Luft und macht weiter.

 

Martin:

Ich meine das ernst. Als so ein Mensch der mit Verantwortung umgeht ist die Lage wirklich nicht zu überblicken, nicht auszuhalten. Die Frage ist dann wie immer was machen wir daraus.

Nina:

Wer wir?

Martin:

Wie geht man den um mit diesem verflixten Bewusstsein vom falschen Leben im falschen Leben und wo ist dieser Ritter auf dem Schwarzen Pferd und in der goldenen Rüstung? Der einen nicht nur beschützt, nein, sondern auch noch rettet? Wo ist der den? Der Trinkt irgendwo seinen Weltschmerz weg. Der versteckt sich. Der duckt sich weg. Der macht das richtig. Der hat ne Haltung. Von dem kann man, auch wenn er nicht da ist, was lernen.

Er steckt sich die vierzigste Zigarette des heutigen Tages an und raucht. Bleibt lange still. Nina und Martin küssen sich nicht.

 

Martin:

Und ich meine na klar, wir haben das in der Hand. Klar. Wir sind die die jetzt handeln sollten oder handeln müssten.

 

Nina:

Wer sagt das eigentlich?

 

Martin:

Ich sage das jetzt. Und lasse das so stehen. Ich beziehe Position und fühle mich dabei schon so außerordentlich lächerlich das ich einfach weiter machen muss.

Da fühlt man sich so durchgenudelt von diesem ganzen in Form sein müssen das man gar nix mehr weiß alles dilettantisch und hundsblöd dieses ganze rum gestocher. Wie gut das war, was da war. Das hat Gebissen. Diesel. Eisen auf der Zunge. Ich leck dich.

schllogoG.jpg

theaterSCHLACHTHOF // KULTURZENTRUM SCHLACHTHOF BREMEN // Findorffstraße  51 // 28215 Bremen // Tel.: +49 421 3777534 // Mail: theater@schlachthof-bremen.de // Facebook // Instagram // Impressum // Datenschutzerklärung